Asiatische Szenen EDLE CHINOISERIEN

Im Neuen Schloss Tettnang sind mehrere der fürstlichen Räume mit Szenen aus fernen Ländern verziert: Figuren, Tiere und Alltagsgegenstände schildern ein Stück China. Zum Teil mit orientalischen Motiven vermischt, zeigen die Bilder eine eigene Vorstellung der exotischen Fremde: eine Fantasiewelt.

Neues Schloss Tettnang, Erstes Grünes Zimmer mit Cembalo

Im Ersten Grünen Zimmer sind Türen und Wandvertäfelung mit exotischen Szenen bemalt.

BAROCKE INSZENIERUNG

Für die Grafen von Montfort war das prunkvoll ausgestattete Schloss für ihre Repräsentation sehr wichtig – das Neue Schloss Tettnang zeugt bis heute von dem Selbstverständnis des alteingesessenen Adelsgeschlechts im Bodenseeraum. Zum standesgemäßen Auftritt gehörte auch Exotisches aus Fernost: Das ferne China, das „Reich der Mitte“ galt als Hort der Weisheit und des Reichtums. Waren aus fernen Ländern symbolisierten die Weltoffenheit, aber auch den Wohlstand eines Adelshauses.

Neues Schloss Tettnang, Lambrisbild mit orientalischer Szene im Grünen Zimmer

Sind orientalischen Ursprungs: die Plusterhose und der Kavuk, eine Art Turban.

MOTIVE AUS VORDER- UND OSTASIEN

In den grünen und roten Räumen der Grafenfamilie finden sich die Spuren der China- und Orientbegeisterung im Barock: Die Wandvertäfelung und die Türen zieren fernöstliche Szenen. Sie sind erst spät, vermutlich nach 1760 entstanden. Sie gehen auf asiatische Bildvorlagen zurück – in der europäischen Kunst ahmte man diese fantasievoll nach. Man erweiterte sie um eigene Motive; man hatte eigene Vorstellungen von der Welt. Es flossen aber auch Elemente anderer Kulturen, etwa aus dem Orient, ein.

Neues Schloss Tettnang, Erstes Rotes Zimmer

Das Audienzzimmer ist in der Farbe der Macht – in Rot – gestaltet.

CHINAMODE IM AUDIENZZIMMER

Im Audienzzimmer, das auch Erstes Rotes Zimmer genannt wird, unterstützten die Motive die Wirkung des repräsentativen Raums: Die Farbe Rot beziehungsweise das Purpur galt als Farbe der Macht – es war eine fürstliche Farbe, die die Macht des Grafen Franz Xaver ausdrücken sollte. Die rote Wandvertäfelung wurde mit den fernöstlichen Szenen aus Figuren, Tieren, kleinen Gebäuden und Landschaften goldfarben verziert: ein fürstlicher Anblick – bis heute.

Neues Schloss Tettnang, Erstes Rotes Zimmer, Lambrisfeld

Chinoise Szene mit Schnabelschuhe und chinesischem anmutenden Wagen.

VORLAGEN AUS OSTASIEN

Woher die chinesischen Darstellungen kommen, ist nicht genau belegt. Man nimmt an, dass Franz Xaver Graf von Montfort in Augsburg mit den asiatischen Motiven und Landschaften in Berührung kam – ein Augsburger Verlag handelte mit Vorlagen aus China. Sie kamen auf dem Seeweg nach Europa. In Augsburg war der Graf von Montfort einst, um Silber zu kaufen – die Stadt war in Europa berühmt für ihr Gold- und Silberschmiedehandwerk. Ein Vorlagenbuch aus dieser Zeit befindet sich heute im Augsburger Stadtarchiv.

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