Historische Ansicht auf Schloss und Bodensee in einem Aquarell von Luise Martens, 1867

Vier Epochen in einem Schloss

Stilgeschichte

Da an Schloss Tettnang während des ganzen 18. Jahrhunderts gebaut wurde, bietet es einen Querschnitt durch die Stilgeschichte vom Barock über das Rokoko bis zum Klassizismus. Der quadratische Grundriss mit seinen vier gleichen Flügeln folgt sogar noch Vorbildern aus der Renaissance.

Luftbild des Neuen Schlosses Tettnang

Nach allen Seiten repräsentativ.

Renaissance

Die quadratische Vierflügelanlage mit Türmen an den vier Ecken ist ein Bautyp aus der Zeit der Renaissance. Die allseitige Symmetrie ist eine Form, die der Ästhetik dieser Zeit sehr entsprach. Gerade in Oberschwaben gibt es viele Beispiele dafür: Die Schlösser von Meßkirch, Wolfegg und Zeil sind die nächstgelegenen. Gut vorstellbar, dass sich die Bauherren, die Grafen von Montfort, und ihr Baumeister Gessinger an den sehr viel älteren Residenzen dieser wichtigen Adelsfamilien der Region orientierten.

Bacchussaal im Neuen Schloss Tettnang

Der prächtige Bacchussaal.

Barock

Tatsächlich wurde das Neue Schloss erst ab 1712 errichtet, also im Barock. Dieser Zeit entsprechend folgen Äußeres und Inneres ganz und gar barocken Mustern. Typisch ist die monumentale Gliederung der vier Fassaden durch große Pfeiler über die ganze Höhe der Wand und die Betonung der Fassadenmitte. Hier setzt beispielsweise ein zusätzliches Stockwerk einen starken Akzent. Großzügige Treppenhäuser und ein kostbar ausgestattetes Hauptgeschoss ergänzen das Bild einer barocken Residenz.

Detail eines Putto im Treppenhaus im Neuen Schloss Tettnang; Foto: Dietz

Putto im Treppenhaus.

Rokoko

Weil der Schlossneubau 1753 ausbrannte, stammt die gesamte Ausstattung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Oberschwäbische Künstler schufen damals herausragende Meisterwerke des Rokoko, der späten Phase des Barock. Ein Kennzeichen des Stils sind die graziösen Ornamente, die elegant die Architektur überspielen. Dabei verschwinden oft die Grenzen zwischen Wand und Decke, ja: zwischen Realität und Schein. Grandiose Beispiele sind etwa die Stuckarbeiten von Joseph Anton Feuchtmayer im Grünen Kabinett.

Holländisches Kabinett im Neuen Schloss Tettnang

In Erinnerung an die Antike.

Klassizismus

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts orientieren sich die Künstler neu: Die Kunst der griechischen und römischen Antike mit ihrer architektonischen Geradlinigkeit wird zum Vorbild. Ein frühes Zeugnis dieses neuen Stils birgt das Holländische Kabinett, von 1769 bis 1770 entstanden. Die weißen Stuckrahmen an der Wand und der Aufsatz auf dem Kamin sind symmetrisch, fast schon streng. Deutlich an antike Monumente erinnert die eckige Vase auf dem Kamin.

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