Höhepunkte des Oberschwäbischen Barocks

Neues Schloss Tettnang

GELTUNGSBEDÜRFTIGER BAUHERR MIT SCHULDEN

ANTON III.

VON MONTFORT

Als Vertreter eines der vornehmsten Geschlechter Oberschwabens war standesgemäßes Auftreten für Graf Anton III. (1670–1733) eine Pflicht. Dazu gehörte auch der Neubau eines repräsentativen Schlosses. Zwar drückten ihn bereits Schulden, aber eine reiche Braut half zunächst.

Das Alte Schloss, die ehemalige Residenz.

WIE SAH DIE JUGEND DES GRAFEN AUS?

Bei den Jesuiten in Feldkirch und Dillingen erhielt Graf Anton III. eine ausgezeichnete Ausbildung. Doch das Geld war immer knapp: Bei seinem Regierungsantritt 1686 war er schon hoch verschuldet. Die Krönung Josephs I. zum römisch-deutschen König 1690 konnte er nur besuchen, weil er Bettelbriefe an seine Schwestern schrieb. Als Vertreter des Hochadels musste der Graf dort erscheinen und alles andere als ein standesgemäßer Auftritt hätte als Schande gegolten.

Das Neue Schloss des Grafen.

WIE KONNTE SEINE FRAU HELFEN?

Graf Anton III. heiratete 1693 in Dillingen Maria Anna Leopoldina (1664–1733), eine Tochter des Grafen Maximilian von Thun. Gräfin Maria Anna stellte für ihren Mann einen Glücksfall dar: Ihr Vater war reich und als Oberhofmarschall beim Fürstbischof von Salzburg auch sehr einflussreich. Sie stammte aus einer kunstinteressierten Salzburger Familie, die Künstler ersten Ranges beschäftigte. Da sie den Baueifer mit ihrem Mann teilte, beteiligte sie sich ab 1713 an den Kosten für den Neubau des Schlosses.

Kupferstich der Grafschaft um Tettnang von 1643.

WELCHES HOHE AMT ÜBERNAHM GRAF ANTON?

Am Ende seines Lebens besaß Graf Anton III. insgesamt 51 Titel. Wirklich bedeutend war die Stelle eines Oberhofmarschalls in Salzburg. Dieses hohe und gut bezahlte Amt verdankte er den Beziehungen seiner Frau, die eine Nichte des Fürstbischofs war. Die Grafschaft Tettnang verpachtete er für die Zeit seiner Abwesenheit, legte aber vertraglich fest, dass die Untertanen dadurch keinen Nachteil erlitten.

Für den Bau verschuldeten sich die Grafen.

WAS WAR SEIN LEBENSWERK?

In seiner Zeit als Oberhofmarschall in Salzburg reifte in Graf Anton III. der Gedanke an einen Neubau in Tettnang. 1712 gab er sein Amt auf und zog wieder in die Grafschaft, um sofort mit den Bauarbeiten für das Neue Schloss zu beginnen. Es zeigte sich bald, dass das ehrgeizige Projekt seine finanziellen Möglichkeiten bei Weitem überstieg. Trotzdem wurde der Bau weitgehend vollendet. 1724 übergab er die Regierung an seinen Sohn Ernst. Graf und Gräfin zogen zurück nach Salzburg, wo sie beide 1733 starben.

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