Detail einer Stuckplastik im Grünen Kabinett im Neuen Schloss Tettnang

Höchst wandelbar in Form und Farbe

Dossier: Stuck in Tettnang

Für die Dekoration von Bauten der Barock- und Rokokozeit eignete sich Stuck – von italienisch „stucco“ – hervorragend. Das Material ist leicht, außerdem gut zu formen und zu färben. Heute zählen die Tettnanger Stuckaturen zu den bedeutendsten weltlichen Schöpfungen des Rokoko in Oberschwaben.

Stuckdetail im Neuen Schloss Tettnang; Foto: Dietz

Fantasievolle Ausstattung der Räume.

Welche Stuckateure waren in Tettnang tätig?

Der bedeutende Stuckateur Joseph Anton Feuchtmayer (1696–1770) war verantwortlich für die Ausstattung der gräflichen Appartements und schuf mit den beiden vorderen Turmkabinetten Meisterwerke der Epoche. Unterstützt wurde er von Johann Georg Dirr (1723–1779), der selbstständig in den Gastzimmern arbeitete. Die hinteren Treppenhäuser stuckierte Andreas Mossbrugger (1722–1787). Von Johann Caspar Gigl (1737–1784) stammt der reizvolle Stuck im Bacchussaal, im Holländischen Kabinett und in der Kapelle.

Stuckrelief einer Amorette, die sich im Löwenfell zu Amor beugt, im Bilderkabinett im Neuen Schloss Tettnang

Kein Motiv gleicht dem anderen.

Höchste Kunstfertigkeit gefragt

Die Stuckmasse besteht meist aus Gips- oder Kalkmörtel oder aus einer Mischung von beidem im Innenraum aus einer feinporigen Gipsmischung. Deren freie Bearbeitung verlangt höchste Kunstfertigkeit: Sie muss in einem raschen Arbeitsgang erfolgen, solange sie noch feucht und weich ist. Die Stuckateure im Tettnanger Schloss waren in qualitätsvoller Ausführung und Einfallsreichtum Meister ihres Fachs, weshalb kein Motiv dem anderen gleicht.

Stuckfigur des Propheten Habakuk von Johann Caspar Gigl in der Schlosskapelle des Neuen Schlosses Tettnang; Foto: Dietz

Stuckfigur in der Schlosskapelle.

Figuren: leicht statt massiv

Frei stehende Figuren aus Stuck bestehen im Innern aus einem Holzgerüst, das mit Stoff überzogen wurde. Darüber kam die feuchte Stuckmasse, die der Meister genau so freihändig formte wie die Wanddekorationen. Durch diese Technik waren Stuckfiguren relativ leicht, zumindest leichter als Marmor.

Detail des Stuckmarmors in der Schlosskapelle; Foto: Dietz

Stuckmarmor in der Schlosskapelle Tettnang.

Farbenprächtiger Marmor

Stuckmarmor war in der Barock- und Rokokozeit sehr beliebt, weil er jede Farbe ermöglichte. Dabei werden mehrere Schichten aus einfarbigem Marmorsand aufgetragen und in die letzte Schicht die Marmorierung gemalt. Abschließend wird die fertige Fläche mit venezianischer Seife eingestrichen und mit einer blanken, heißen Kelle auf Hochglanz poliert. Wegen der aufwendigen Technik war Stuck keineswegs billiger als Naturmarmor.

Ein vollendetes Beispiel für Stuck finden Sie im Grünen Kabinett: Die feinen Stuckarbeiten stammen von Joseph Anton Feuchtmayer, darunter als wahres Meisterwerk die Szene über der Tür.

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