Blick in den Altarraum der Schlosskapelle

Raum für einen Heiligen

Die Schlosskapelle

Arkaden und Emporen umgeben an drei Seiten die Kapelle des Schlosses, die Jakob Emele 1755 nach dem Brand wieder aufbaute. Das Überraschende aber ist die große Apsis, die den Raum weit nach außen öffnet: Sie unterstreicht den besonderen Flair als lichtdurchfluteter Rokoko-Raum.

Johannes von Montfort als Kreuzritter gegen die Türken, Deckenfresko in der Schlosskapelle des Neuen Schlosses Tettnang, von Andreas Brugger, 1770

Johannes von Montfort im Kampf gegen die Türken.

Mutiger Kreuzritter als Hausheiliger

Im Deckenfresko, gemalt von Andreas Brugger 1770, ist der Tempelritter Jean de Montfort als siegreicher Teilnehmer des sechsten Kreuzzuges 1248 dargestellt. Als Anführer des Heeres schlägt er die Türken in die Flucht. Diesen Ruhm machten die Grafen für sich nutzbar: Als „Johannes von Montfort“ wurde Jean de Montfort von den Tettnanger Montforts zum Hausheiligen und Schutzpatron erkoren. In Wirklichkeit stammte er jedoch aus einem französischen Adelsgeschlecht und war mit den deutschen Montforts nicht verwandt.

Stuckfigur des Propheten Habakuk von Johann Caspar Gigl in der Schlosskapelle des Neuen Schlosses Tettnang; Foto: Dietz

Stuckfigur aus der Werkstatt von Johann Caspar Gigl.

Gotteslob in Stuck

Unter der Decke, neben der Orgel und den Logen, schweben die Propheten Habakuk mit einem aufgeschlagenen Buch und König David mit einer Harfe. Sie werden als Sinnbild für das Gotteslob verstanden: David durch den Gesang und Habakuk durch das Gebet. Die prachtvollen Stuckfiguren stammen aus der Werkstatt von Johann Caspar Gigl. Links und rechts des Deckengemäldes befinden sich zwei Figuren, die je eine Uhr in Sonnenform und eine in Mondform tragen. Dargestellt ist hier der alttestamentarische Sieg Josuas über die Amoriter.

Wappen der Grafen von Montfort in der Schlosskapelle des Neuen Schlosses Tettnang; Foto: Dietz

Wappen der Montforts in der Schlosskapelle.

Die Schlosskapelle bis heute

Die Grafen von Montfort nahmen von den beiden Emporen aus am Gottesdienst teil. Damals gab es noch drei Altäre und zwei Kanzeln in der Kapelle. Sie wurden 1828 und 1848 entfernt und der St.-Georgs-Kapelle am Schlossplatz übergeben. Dort befindet sich heute nur noch der große Hochaltar aus der Werkstatt Joseph Anton Feuchtmayers von 1758. Seit 1854 wird die Schlosskapelle von der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde genutzt.

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