Bacchussaal im Neuen Schloss Tettnang

Feiern mit den Göttern

Der Bacchussaal

Der Weingott Bacchus gab dem Saal seinen Namen und steht für die Raumnutzung, denn hier fanden üppige Feste statt. Das Deckenfresko, 1772 von Andreas Brugger geschaffen, verkündet die eigentliche Botschaft: Die Grafen von Montfort waren stark und unsterblich wie der antike Held Herkules.

Detail aus dem Deckenfresko von Andreas Brugger im Bacchussaal im Neuen Schloss Tettnang; Foto: Dietz

Ausschnitt des Deckenfreskos.

Barocke Harmonie unterm Götterhimmel

Barocke Harmonie bestimmt den lichtdurchfluteten Raum, der 1769 als Festsaal entstand. An drei Seiten hängen jeweils zwei Porträts der Familie Montfort, die vierte Seite wird dominiert von der plastischen Figur des Gottes Bacchus. Farblich ist der Raum eine Symphonie in Grau, Rot und Gold: Die Wände bestehen aus grauem Stuckmarmor mit darauf angebrachten roten Marmorplatten. Der Stuckateur Johann Caspar Gigl gestaltete den Raum, der von verspielten, luftigen Zier- und Architekturelementen des Rokoko geprägt ist.

Detail aus dem Deckenfresko von Andreas Brugger im Bacchussaal im Neuen Schloss Tettnang; Foto: Dietz

Ausschnitt des Deckenfreskos.

Das Deckenfresko: der Unsterblichkeit gewidmet

An der Decke öffnet sich der helle Götterhimmel mit Herkules und Jupiter im Zentrum. Ausführender Künstler war der von Graf Ernst künstlerisch geförderte Maler Andreas Brugger. Das Fresko ist eine Allegorie der Unsterblichkeit. Die Heldentaten des Herkules, der vor seinem Vater Jupiter, dem obersten Gott, kniet, säumen das Bild. Jupiter weist seinem Sohn einen Platz im Himmel zu – die Botschaft war: Ebenso wie Herkules wird das Geschlecht der Montforter in die Unsterblichkeit eingehen.

Gemälde der Gräfin Maria Antonia Eusebia von Montfort; Foto: Dietz

Gräfin Maria Antonia Eusebia.

Die letzten Montforter

Sechs Bildnisse, ebenfalls von Andreas Brugger, zeigen die letzten Mitglieder der gräflichen Familie. Graf Ernst und seine Frau Maria Antonia bauten das erste Schloss und mussten miterleben, wie es 1753 abbrannte. Ihr Sohn Franz Xaver ging an den Wiederaufbau, der ihn 1779 in den Ruin trieb. Wie sein Bruder Anton hatte er keine männlich Nachkommen. Franz Xavers einzige Tochter, Maria Josepha, starb noch vor ihm und seine dritte Frau, Augusta Elisabeth Schall von Bell, verließ ihn und starb an einem unbekannten Ort.

Der Gott des Weines heizt ein

Bacchus, der Gott des Weines, war passenderweise der Namensgeber für diesen zentralen Festsaal im Schloss. Er ist hier präsent als plastische Figur, sitzend auf einem Fass, das von zwei Begleitern gehalten wird. Das Überraschende: Das Fass ist eigentlich ein Ofen, der vom Nebenraum aus beheizt werden konnte. Das zeigt auf witzige Weise die barocke Lust am Spiel mit der Verkleidung und Täuschung. Beim Feiern sollte Gott Bacchus selbst und nicht nur ein einfacher Ofen einheizen!

Detail des Bacchusofens im Bacchussaal im Neuen Schloss Tettnang; Foto: Dietz
Detail des Bacchusofens im Bacchussaal im Neuen Schloss Tettnang; Foto: Dietz

Der Gott des Weines.

Auch interessant

Persönlichkeit: Andreas Brugger

Versenden
Drucken