Beim größten Neubauprojekt Oberschwabens, dem Schloss der Grafen von Montfort, wurde im 18. Jahrhundert der Typus des auf quadratischem Grundriss aufgebauten, vierflügeligen Renaissance-Schloss wieder aufgenommen. Als Vorbild dienten Schlossbauten der Grafen Hohenlohe,Walburg, Hohenzollern, Fürstenberg um das Jahr 1600, die in Größe und Rang mit denen der Herzöge von Württemberg, der Markgrafen von Baden und der Kurfürsten von der Pfalz vergleichbar sind. Die Erbauer des Neuen Schlosses in Tettnang trachteten durch den Rückgriff auf diese Grundrissform die Erinnerung an mächtige Zeit der Grafen zu verdeutlichen und so ihren eigenen, längst machtarmen, Status aufzuwerten.
Das grüne Kabinett, von Johann Anton Feuchtmayer stuckiert, zeigt zarte, bewegte Ornamente, sich organisch mit der Figur eines Satyrs verbinden. Seinen Namen hat dieser Raum, der zu den bedeutenden Zeugnissen des schwäbischen Rokoko gezählt wird, von den in stuckiertes Gitterwerk eingefassten grünen Glaseinlagen. Die in die Netzdekorationen eingearbeiteten Spiegelscherben stammen vielleicht aus dem Brandschutt des Vorgängerbaus.